#Menschen

Im Oktober erscheint der erste Kriminalroman unseres Autoren Peter Wenig. Er weiß jetzt, dass der Weg von der Idee bis zum Buch ein schwieriger ist und nur mit viel Liebe zum gedruckten Ergebnis bewältigt werden kann.
Ein Print-Erlebnis-Bericht.

„Zyankali oder Blausäure“, „Schlag mit Feuerhaken auf den Schädel“, „Gift in Pralinen“, „Verbrennen einer Leiche in einem Kamin“. Wer meine Google-Suchabfragen der vergangenen Monate sieht, könnte mich für einen Menschen mit krankhaften Tötungsfantasien halten. Im Prinzip kann ich nur hoffen, dass mein Laptop nicht ins Visier von Mordermittlern gerät. Meine einzige Erklärung würde reichlich vorgeschoben klingen – und sie wäre dennoch wahr. Ich habe einen Kriminalroman geschrieben. Mein bester Zeuge ist ein sehr guter Freund: Stephan Haas, mein Co-Autor, der mit „Handicap mit Todesfolge“ (erschienen 2015 im Friedrich-Wittig-Verlag) bereits einen Kriminalroman verfasst hat. Sehr bald nun wird unser gemeinsames Werk erscheinen. „Vergiss den Tod“, die Geschichte eines Verbrechens.

Wer ist eigentlich … ?

Wer ist eigentlich … ?

PETER WENIG arbeitet als Journalist und Autor. Er wurde mit drei Preisen vom Verband der Sportjournalisten ausgezeichnet und verehrt den schwedischen Schriftsteller Hakan Nesser.

HANNS-STEPHAN HAAS, Theologe und Ökonom, leitet das Zukunftsprozessteam der größten evangelischen Landeskirche, war Hochschullehrer und Akademiedirektor. Krimiaffin ist er nicht erst, seit er in Schweden studierte.

Die Idee zu diesem Buch hatten wir bereits 2016. Den Impuls lieferte ein realer Krimi, den wir in unterschiedlichen beruflichen Rollen erlebt haben. Stephan Haas als damaliger Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, ich als Reporter des Hamburger Abendblatts. Der Fall spielte im Sachsenwald: Ein ehemaliger Schlosser, ein umtriebiger Notar, ein Immobilienmakler und eine Haushälterin mit Hang zum Glücksspiel kümmerten sich auf ihre Art um eine früh an Demenz erkrankte vermögende Witwe. Im Kampf um die Millionen bekämpften sich die Täter gegenseitig, mehrere traten am Ende Haftstrafen an. Die Stiftung Alsterdorf, die zu den Begünstigten des ursprünglichen Testaments zählte, konnte nach einem langen juristischen Streit zumindest einen Teil des Erbes retten.

Die perfekte Vorlage für einen Kriminalroman, dachten wir. 2020 gewann die Idee Konturen. Klar war, dass wir uns schon aus rechtlichen Gründen weit vom realen Fall entfernen mussten. Nur der Nucleus sollte bleiben: Eine Frau, an Alzheimer erkrankt, gerät ins Fadenkreuz falscher Freunde.

Über Monate entwickelten und verwarfen wir Handlungsstränge und Plots, bis das Exposé stand. In den Hauptrollen: eine Fremdsprachensekretärin, die spät das Glück ihres Lebens findet und dann, erkrankt an Demenz, ihren Mann bei einem Unfall tödlich verletzt, ein Notar mit pädophilen Neigungen, ein erfolgloser Gastronom mit Sehnsucht nach einem luxuriösen Leben, ein Chemiker, der auf Rache sinnt, und ein verkrachter Künstler, der seine Stiefmutter hasst. Eine Journalistin und ein Pastor verbünden sich im Kampf gegen die falschen Freunde – und geraten selbst in Gefahr.

Voller Hoffnung auf Zusagen mailten wir das Exposé nebst Textproben an Literaturagenturen und Verlage. Wir hörten zunächst (fast) nichts, nicht einmal Absagen. In der Tat gehört dies zu den Spielregeln einer extrem umkämpften Branche – und ist keinesfalls böse gemeint. „Angesichts der Flut von Manuskripten fehlt uns die Zeit für Absagen. Wenn wir uns innerhalb von acht Wochen nicht melden, bedeutet dies, dass wir leider kein Interesse haben“, heißt es so oder ähnlich auf den Internetseiten.

Wer als Autor in diesen Phasen Trost sucht, findet ihn auf der Website des Krimiautoren Andreas Eschbach. Er sammelt Absagen an später überaus erfolgreiche Autoren und nennt unter anderem John Grisham (abgelehnt von 28 Verlagen und 16 Agenten), Umberto Eco (36 Absagen) und natürlich J. K. Rowling. Ihr erstes Harry-Potter-Manuskript lehnten ein Dutzend Verlage ab. Der Legende nach nahm der Inhaber des damals kleinen Verlags Bloomsbury das Manuskript mit nach Hause. Seine achtjährige Tochter fand das Buch wundervoll, Bloomsbury startete mit einer Auflage von 500 Stück. Inzwischen wurden weltweit über 500 Millionen Harry-Potter-Bände verkauft.

Allerdings hilft das Wissen um zunächst verkannte spätere Bestsellerautorinnen und -autoren auf der Suche nach einem Verlag nur bedingt. Wir erwogen zwischenzeitlich die Möglichkeit des Selfpublishing’s, viele Dienstleister unterstützen Autoren dabei, ihre Werke selbst zu veröffentlichen – gedruckt oder als E-Book. Das klingt durchaus verlockend, da man über Inhalt, Preis und Optik entscheidet. Auch finanziell kann es lukrativ sein, Amazon etwa zahlt bis zu 70 Prozent an Tantiemen. Allerdings wäre es für uns wie guter Wein ohne ein Glas gewesen. Wir wollten es klassisch: kein Selbstverlag, kein reines E-Book. Sondern ein gedrucktes Werk mit einem Verlag, inklusive Expertise für Lektorat, Marketing und Cover. Mit einem Verkauf im Buchhandel. Und mit Lesungen, gerade in kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen, die wir beide so schätzen.

Sie sind neugierig geworden auf Vergiss den Tod? Kaufen können Sie es ab 1. Oktober in jeder Buchhandlung oder online für 14,90 Euro. Sie können die Autoren auch für eine Lesung anfragen, am einfachsten über die Website www.diekrimischreiber.de

Und dann kam der Anruf von Steffen Herrmann, Inhaber des Junius-Verlags, einem Hamburger Verlag, spezialisiert auf Wissenschafts- und Architekturbücher. Seit 2007 vertreibt Junius zudem ein umfangreiches Hamburg-Programm – allerdings abgesehen vom Krimi-Lesebuch mit Kurzgeschichten „Alstertod und Hafentod“ – ohne Spannungsliteratur. Dass SteffenHerrmann nun das Wagnis mit uns eingeht, haben wir den eingereichten Textproben zu verdanken. Der Verleger fand sie spannend, gut geschrieben – und mit einem klaren Hamburg-Bezug.

Als wir im Januar den Vertrag unterschrieben, haben wir – zum Glück – nicht gewusst, wie viel Arbeit auf uns zukommen würde. Wir hatten zwar die Hälfte der vertraglich vereinbarten 600.000 Zeichen – was in etwa 333 Normseiten mit 1.800 Zeichen entspricht – schon geschrieben. Wie sehr der Teufel im Detail steckt, merkten wir im Endspurt. Jede Änderung löst eine Kettenreaktion aus. Der ebenso geniale wie skrupellose Chemiker sollte zum Beispiel zunächst eines frühen Krebstods sterben. Wir ließen ihn dann doch zugunsten der Spannung deutlich länger leben – als gescheiterten und alkoholkranken Wissenschaftler mit Hang zu Rachemorden. Nur: Wie sollte er nach seinem Aus im Max-Planck-Institut noch glaubwürdig an tödliche Gifte kommen?

Wir fanden einen Weg. Für uns bleibt nun – wie für jeden Autoren – die spannende Frage, wie sich unser Buch im Handel schlagen wird. Die Konkurrenz ist riesig, 1500 Krimis erscheinen Jahr für Jahr im deutschsprachigen Raum, mehr als vier pro Tag. Andererseits spricht dies für das Genre, Krimis sind unverändert beliebt, wenngleich die Pandemie die Situation für Debütanten noch schwieriger gemacht hat. Gerade Regio-Krimis sind oft Beifang in Buchhandlungen: Wer den neuen Hakan-Nesser erwerben will, nimmt mitunter spontan noch einen Neuling mit, weil ihn Titel oder Cover anspricht. Entsprechend weh taten der Branche das Lockdown-Schließen vieler Buchhandlungen, zudem fielen fast alle Lesungen dem Virus zum Opfer. Die Folge: Viele Verlage reagieren nun unter Spardruck und angesichts dramatisch gestiegener Papierpreise noch zurückhaltender auf Manuskripte neuer Autorinnen und Autoren.

Umso glücklicher sind wir, dass unser Buch nun erscheinen wird. Reichtümer werden wir damit nicht erwerben. Autoren erhalten in der Regel zwischen sechs und zehn Prozent der Netto-Buchverkaufseinnahmen (Verkaufspreis minus sieben Prozent). Nach Branchenschätzungen können maximal zwei Prozent der Autoren in Deutschland vom Schreiben leben. Für die meisten ist es eher ein Hobby – oder im Finanzamt-Jargon „Liebhaberei“. Zum Glück nähren auch uns reguläre Jobs.

Und dennoch hoffen wir sehr auf einen guten Verkauf. Dieses Projekt, in das wir so viel Zeit und Liebe investiert haben, soll möglichst viele Leserinnen und Leser finden. Wir haben keinen klassischen Krimi mit der Ermittlerjagd auf einen Mörder geschrieben. „Vergiss den Tod“ stellt das Schicksal einer Frau in den Mittelpunkt, die durch ihre Demenz zum Opfer wird. Weitgehend unbemerkt von Öffentlichkeit spielen sich Dramen dieser Art im wahren Leben immer wieder ab. Auch darauf wollten wir mit unserem Roman aufmerksam machen. Aber keine Sorge: Es gibt auf über 300 Seiten auch ordentlich Adrenalin. „Ich habe sehr schlecht geträumt“, sagte einer unser Testleser, als ehemaliger hochrangiger Kriminalbeamter wie kaum ein anderer Hamburger mit Kapitalverbrechen vertraut. Wobei der Begriff Testleser es nicht wirklich trifft. Wir durften auf die Expertise von hochkarätigen Fachleuten vertrauen, unter ihnen mit Prof. Klaus Püschel einer der erfahrensten deutschen Rechtsmediziner. Ihnen sind wir genauso dankbar wie Steffen Herrmann, der sich mit viel Liebe um unser Projekt gekümmert hat.

Bleibt am Ende die Antwort auf eine Frage, die uns viele im Familien- und Freundeskreis gestellt haben: Wie schreibt man als Duo einen Krimi? Nun, das war viel leichter als gedacht. Gemeinsam haben wir Handlungsfäden verknüpft und verknotet, Charaktere gezeichnet. Fast automatisch entstanden dann Arbeitsaufträge. Du schreibst dieses Kapitel, ich übernehme das andere. Der unschätzbare Vorteil: Beim Gegenlesen fallen Unstimmigkeiten sofort auf. Und das Arbeiten zu zweit trägt durch Schreibkrisen, die jeder Autor kennt. #