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Das Thema Nachhaltigkeit ist längst in der Druckindustrie angekommen. Um Ressourcen zu schonen, wird Papier bis zu sieben Mal recycelt und die Druckereien verringern den Gebrauch umweltschädlicher Chemikalien und Farben, um ihre Produkte klimafreundlich herzustellen. Doch das ist bei weitem nicht alles.

Bereits im Jahr 1713 hat Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk Silvicultura oeconomica den Begriff Nachhaltigkeit im Sinne eines langfristig angelegten, verantwortungsbewussten Umgangs mit der Ressource Holz formuliert. Als Leiter des Oberbergamtes im sächsischen Freiberg war von Carlowitz zuständig für die Holzversorgung des Berg- und Hüttenwesens. Er erkannte, dass der steigende Bedarf an Holz ein Gegensteuern verlangte und entwickelt eine planvolle und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Heute, mehr als 300 Jahre später, ist der Begriff Nachhaltigkeit zum Schlagwort für umweltbewusstes, ressourcenschonendes Handeln geworden. Insbesondere die Papier- und Druckindustrie bietet beste Möglichkeiten für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Papier, das aus nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellt wird, ist ein erneuerbares Material, das recycelt und somit wiederverwendet werden kann. Und das sogar mehrfach.

Aus diesem Grund ist der Papierindustrie eine verantwortungsvolle Forstwirtschaft und ein stetig wachsender Baumbestand wichtig. Beleg dafür ist, dass sich die Waldflächen in Europa Jahr für Jahr ausdehnen. Doch zur Nachhaltigkeit gehört nicht nur recyceltes Papier. Es müssen viele Bedingungen erfüllt sein, um ein Printprodukt offiziell umweltschonend zu produzieren. Die Druckindustrie hat Maßnahmen, wie zum Beispiel chemie- und wasserlose Druckplattenbelichtung, alkoholfreies Drucken, Verzicht auf Kunststoffe, klimaneutrale Produktionsstätten und vieles mehr entwickelt, um die Herstellung der Erzeugnisse zu optimieren. Nur wer die spezifischen Kriterien für nachhaltiges Drucken erfüllt, wird mit dem dem Gütesiegel für umweltfreundliche Produktion, Blauer Engel, zertifiziert.

Das Label Blauer Engel kennzeichnet besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen und auch Papier und Printprodukte. Auch diese Ausgabe ist eine Blauer Engel-Produktion. Bereits Ende der 1970er Jahre gab es die ersten Zertifikate für Recyclingpapiere. Doch die Herstellung von Druckerzeugnissen verlangt einen hohen Einsatz an Energie und Ressourcen – zum Beispiel Papier, Farbe und Druckmaschinen. Beim ökologischen Vergleich schneiden Papierprodukte mit einem hohen Recyclinganteil bezüglich Ressourcenverbrauch, Abwasserbelastung, Wasser- und Energieverbrauch günstiger ab als Papier mit hohem Frischfaseranteil. Ein Druckerzeugnis sollte durch Verwendung geeigneter Farben, Lacke und Klebstoffe die Wiederverwertung der Papierfasern ermöglichen. Durch Prozessoptimierung können beim Drucken Energieeinsatz, Papierabfall sowie Wasser- und Luft-Emissionen verringert werden. Das Umweltsiegel „Blauer Engel für Druckerzeugnisse“ (DE-UZ 195) verpflichtet die Druckindustrie dazu, Printprodukte im Sinne des vorbeugenden Umwelt- und Gesundheitsschutzes herzustellen.

Das Zertifikat ist ein freiwilliges Zeichen, das die Kunden von Druckereien motivieren soll, Druckprozesse auszuwählen, die weniger Ressourcen verbrauchen, hochwertiges Recycling ermöglichen, geringere Emissionen verursachen und mit geringeren Abfallmengen verbunden sind. Das Label Blauer Engel bietet umweltbewussten Auftraggebern die Möglichkeit, sich transparent über die Nachhaltigkeit der Druckereien und ihrer Erzeugnisse zu informieren und sich so gezielt einen Partner auszuwählen. Neben dem Blauen Engel gibt es rund ein Dutzend weitere Zertifizierungen, die in der Druckindustrie zum Standard geworden sind, wie zum Beispiel EMAS oder DIN ISO 14001, FSC und PEFC.

Papier ist von Natur aus nachhaltig. Sein besonderer Vorteil ist, dass es mehrfach verwendet werden kann. Die Herstellung von Papier belastet grundsätzlich die Umwelt, weil dafür Holz, Energie, Wasser benötigt werden und Gewässer durch Chemikalien verunreinigt werden können. Indes: Durch den Einsatz von Altpapier können die Umweltbelastungen stark reduziert werden. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 19 Millionen Tonnen Papier verbraucht – zum Beispiel für Zeitungen, Zeitschriften, Geschenkpapier, Verpackungen, Küchentücher und Toilettenpapier. Rund 14,8 Millionen Tonnen Altpapier wurden von privaten und kommunalen Entsorgern eingesammelt und somit wieder in den Wirtschaftskreislauf gebracht. Das entspricht einer Rücklaufquote von 78 Prozent.

Der wichtigste Prozess bei der Papieraufbereitung ist das „Deinking“. Der englische Begriff steht für die Entfernung von Druckfarben aus dem Papier. Dieses Verfahren sorgt dafür, dass auch bereits bedrucktes Papier für die erneute Papierherstellung genutzt werden kann. Grundsätzlich ist das Recyceln auch ohne Deinking möglich, allerdings erhält das Altpapier dann eine kräftige graue Tönung. Ein Effekt, der früher Kunden vom Kauf von Produkten aus Altpapier mit hohem Recyclinganteil abgeschreckt hat. Durch die Behandlung mit Sauerstoff , Wasserstoffperoxid oder Hinzufügen von frischen Papierfasern kann die Farbe des recycelten Papiers aufgehellt werden.

Bis zu sieben Mal können Holzfasern zur Papierherstellung verwendet werden. Danach sind sie zu kurz und brüchig, um die Stabilität des Recyclingpapiers zu gewährleisten. Doch auch dann können die Fasern nachhaltig wirken, indem sie zur Erzeugung von Bioenergie eingesetzt werden. Fest steht: Recyclingpapier ist nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Wer beispielsweise ein Paket Kopierpapier à 500 Blatt mit recyceltem Papier kauft, der sorgt für eine Einsparung von 5,5 kg Holz und 7,5 KW Energie gegenüber normalem Papier aus Frischfasern – das reicht für 525 Tassen frisch gebrühten Kaffee.

Um umweltfreundliche Printprodukte herzustellen, reicht es nicht, Recyclingpapier zu verarbeiten. Wer seine Erzeugnisse mit dem Blauen Engel kennzeichnen will, muss das Unternehmen nach höchsten Standards für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ausrichten. Ein Instrument, das diese Ansprüche erfüllt, ist EMAS (Eco-Management und Audit Scheme). Mit diesem europäischen Umweltmanagementsystem sind Druckunternehmen in der Lage, Ressourcen intelligent einzusparen. Sie leisten damit einen Beitrag zum Umweltschutz, reduzieren Kosten und zeigen gesellschaftliche Verantwortung. Zudem muss neben nachgewiesenem Energiemanagement auch eine Umwelterklärung über den Produktionsablauf abgegeben werden. Die Unbedenklichkeit der verwendeten Farben, Kleber und Druckhilfsmittel muss von den Herstellern oder Lieferanten bestätigt werden. Alle Umweltaspekte und Umweltauswirkungen des Unternehmens müssen dokumentiert sein. Das umfasst den Energie- und Rohstoffeinsatz, Emissionen über Abwasser und in der Luft, Abfälle und Lärmbelastungen. Die Umwelterklärung wird durch einen staatlich zugelassenen unabhängigen Umweltgutachter auf ihre Richtigkeit überprüft und muss jedes Jahr aktualisiert werden. Erst wenn sowohl die Druckerei als auch das Printprodukt alle Kriterien erfüllt haben, erhält die Druckerei den Blauen Engel für Druckerzeugnisse und darf das Label auf den von ihm produzierten Druckerzeugnissen verwenden.

In Zeiten von Smartphone und Tablet hat sich das Leseverhalten der Menschen verändert. Viele konsumieren Nachrichten und Informationen mit ein paar Klicks und Scrollen mit dem Finger. Ein Argument, das immer wieder zu hören und zu lesen ist: Printprodukte „fressen“ Ressourcen, digitale Medien wären ökologischer und mithin nachhaltiger. Wenn man es sich leicht macht, könnte man dem zustimmen. Doch es lohntsich, die unterschiedlichen Aspekte nebeneinanderzustellen und miteinander zu vergleichen.

Die Rohstoffbilanz

Printprodukte für den deutschen Markt werden aus Holz hergestellt, das zum Großteil aus skandinavischen Wäldern zu uns kommt. Aus den gewonnenen Holzfasern entsteht Papier, das bedruckt und an die Kunden ausgeliefert wird. Rund 78 Prozent der gedruckten Produkte werden durch Recycling wieder nutzbar gemacht. Digitale Devices werden aus einer Vielzahl von Metallen und seltenen Erden hergestellt. Um die kostbaren Wertstoffe Gold, Silber, Palladium oder Coltan-Erz zu gewinnen, werden teilweise Regenwälder gerodet. Zudem ist die Recyclingquote von elektronischen Geräten mit 44 Prozent (Stand 2019, Quelle Bundesumweltamt) erheblich geringer als bei Papier.

Fazit: Das Verwenden nachwachsender Rohstoffe ist deutlich nachhaltiger als die Nutzung endlicher Bodenschätze.

Die CO₂-Bilanz

Die umweltfreundliche Herstellung von Printprodukten ist abhängig von den Energiequellen und davon, wie ökologisch die Druckereien aufgestellt sind. Bei den elektronischen Geräten ist nicht nur die Herstellung energieintensiv, sondern auch deren Nutzung. Ist das Papier dagegen erst einmal bedruckt und ausgeliefert, fallen keine weiteren Energiekosten an. Ein Vorteil des Printmediums ist, dass das gleiche Produkt von vielen Menschen verwendet werden kann.

Fazit: Je häufiger Menschen ein Buch oder Magazin nutzen, um so besser ist die CO2-Bilanz. Umgekehrt verhält es sich bei den digitalen Medien. Denn je länger im Internet gelesen wird, desto schlechter verhält es sich mit der Energiebilanz. Eine Studie der Universität Trier zeigt, dass elektronische Medien im Vergleich zu Printprodukten, die aus frisch hergestelltem Papier bestehen, nachhaltiger sind. Wird jedoch Altpapier verwendet, sind die Printerzeugnisse den digitalen überlegen.

Die Wasserbilanz

Will man den Verbrauch des Wassers bemessen, das zur Herstellung von Papier benötigt wird, muss man die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung, über die Papierherstellung, die Nutzung sowie das Recycling betrachten. Man nennt es virtuelles Wasser. Ein DIN A4-Blatt Frischfaserpapier verbraucht bei der Herstellung rund zehn Liter Wasser. Recyclingpapier benötigt 100 ml pro Blatt. Für die Produktion eines Smartphones braucht man hingegen 1.280 l, das sind rund 8,5 Badewannen, die mit Wasser gefüllt sind.

Fazit: Der Vergleich gestaltet sich schwierig. Auch hier kommt es auf das Nutzerverhalten an. Da gedruckte Medien wie Zeitungen, Magazine, Zeitschriften und Bücher häufig von mehreren Personen genutzt werden, überwiegt der Vorteil der Printprodukte. #